Transmedia Storytelling

Digitale Geschichten erzählen – darum geht es heute beim Social Media Club Berlin. Und ganz speziell für Raaaner, der heute leider nicht unter uns weilt, hier meine Vortragsnotizen.

Die Agende – einfach mal kackfrech aus Xing heraus kopiert – lautet wie folgt:

  1. Dorothea Martin
    (https://www.xing.com/profile/Dorothea_Martin2)
    wird für uns den Abend eröffnen und ein Sceensetting zu Transmedia Storytelling für uns machen. Hiernach dürfte dann jedem klar sein, weit weit das Feld dieser spannende Erzählweise digitaler Geschichte sein kann und was Transmedia Storytelling überhaupt ist.
  2. Danach wird uns Alexander Maximilian Otto Serrano, kurz AMOS
    (https://www.xing.com/profile/AlexanderMaximilian_OttoSerrano),
    einen Überblick über erfolgreiche Cases und Anwendung geben.
  3. Komplettiert wird das Programm von Michael Dreusicke
    (https://www.xing.com/profile/Michael_Dreusicke),
    der mit seiner Software PAUX eine Lösung für komplexe transmediale Erzählstrukturen geschaffen hat.

Gut, ich fange mal mit einem kleinen Kritikpunkt an: Es gibt wahrscheinlich mehr Plätze, von denen aus man die Twitterwall nicht sieht als Plätze von denen aus man sie sieht. Und selbst wenn der Blick frei ist, ist die Schrift nicht wirklich lesbar. Aber genug genörgelt; wir sind wegen der Vorträge hier.

Dorothea Martin

Dankenswerterweise beginnt sie mit einer kurzen Einführung. Der Begriff “Transmedia-Storytelling” wurde von Henry Jenkins geprägt. Er bedeutet, dass eine Geschichte über mehrere Medien hinweg erzählt wird. Jedes Medium kann dabei für sich selbst stehen. Aber gemeinsam bilden sie ein größeres Ganzes.

“Schnittstellen” heissen im Transmedia-Jargon “Entry Points”.

In Social Media können Menschen aktiv teilnehmen und die Geschichte mitgestalten. Das Publikum ist kein reiner Consumer mehr sondern trägt selbst zu der Geschichte bei. Soweit kennen wir das ja schon.

Der nächste Begriff: “Crossmedia”. Anscheinend heisst das, dass dieselbe Geschichte über unterschiedliche Medien verbreitet wird – Roman, Film etc. – ohne dass das Publikum selbst einen Einfluss hat.

Hmmm… das Beispiel habe ich nicht so richtig mitbekommen. Da war sie etwas schnell. Offensichtlich wird bei http://www.transmedia-storytelling-berlin.de/ gerade eine interaktive Geschichte in mehreren Staffeln erzählt.

Hilfreiche Fragerunde: Der Unterscheid zwischen Transmedia und Multimedia ist, dass bei Transmedia eine Geschichte erzählt wird. Der Unterschied zu Crossmedia ist anscheinend, dass bei Transmedia das Publikum an der Geschichte mitwirkt.

Und als nächster kommt…

AMOS

Okay, auch er fängt damit an, dass Werber im Social-Media-Zeitalter nicht mehr unwidersprochen alles erzählen können. Hübsch war seine Message The truth well told -> Märchenerzähler. Aber der Einstieg war trotzdem ein bisschen sehr klassisch.

Naja, und dann verliert er sich doch weiter in Headlines.

Interessant wird es bei der Botschaft “das Web bildet die Vernetzung seiner User ab. Die Botschaft muss diesem Netz folgen.”

Okay, er findet hübsche Metaphern. Über den Metzger, der dem Steppkes ein Scheibchen Wurst schenkt, über die Brüder Grimm und Wagner … bis hin zu der bereits bekannten Botschaft, dass Unternehmen in Sozialen Medien wieder lernen müssen, sozial zu sein. Insgesamt ein bisschen sehr viel von den üblichen Social-Media-Plartitüden und ein bisschen wenig handfeste Praxisbeispiele. Wenn man ehrlich ist, keins bisher.

Ah, jetzt gibt’s Beispiele!

Hmmm… “Die Partei” erzählt ihre (satirische) Geschichte per Youtube(!)-Video. Jetzt bin ich gespannt, wie die Story auf anderen Medien aussieht.

Okay, erstmal der Slogan “Reality is broken.” Dafür nicht der Transfer auf andere Medien. Es ging wohl eher darum, dass das Storytelling untrennbar mit der Realität verwoben wird. Die Story dringt in die Realität ein und die Realität in die Story. Aber wie ist es, wenn eine wahre Geschichte erzählt wird?

Zweites Beispiel: Ein online-getriggertes Live-Rolenspiel als Marketing-Idee für einen Roman. Das macht klarer, worauf er hinaus will. Mich würden jetzt die Erfolgsfaktoren eines solchen Transmedia-Event interessieren. “Die Leute wollen aus ihrem Alltag gerissen werden” leuchtet mir ein. Aber ehrlich gesagt ist es mir ein bisschen zu allgemein. Aber das Beispiel verdeutlich schon ganz gut, wie man die Botschaft bekannt machen kann, indem man die Grenzen der Medien durchbricht.

Mitmachen bei solchen Spielen kann man anscheinend bei einer gewissen Kaninchen-Community.

Und zum Schluss kommt er auf die Erkenntnis zurück, dass die erzählte Geschichte vor allem wahr sein muss – im dem Sinne, dass sie nicht mehr Spannung versprechen darf als der Roman halten kann.

Michael Dreusicke

Er macht’s spannend: “Oh, das kann man jetzt nicht sehen. Ist aber nicht so wichtig.” Und dann stellt er das technische Konzept vor, das seine Firma anbietet.

Und jetzt nochmal genauer der Unterschied zwischen Crossmedia und Transmedia. Seine Metapher: Beim Crossmedia muss man über eine Mauer – bei Transmedia ist schon alles verbunden. So richtig verstehe ich die Metapher nicht. Aber letztlich kommt er auch wieder dahin, dass “jeder in das Buch hinein schrieben kann”.

Jetzt wird’ technisch: Die Geschichte wird offenbar aus Content-Objekten mehrerer Werke zusammengesetzt. Offensichtlich sind die Content-Objekte Köder, in denen man Werbung platzieren kann. Das entscheidende an Transmedia ist, dass das, was über das Werk in Sozialen Medien gepostet wird, in das Werk zurückfließt.

Und dann geht es darum, wie die Textobjekte aneinander angeknüpft werden können. Dadurch wird der Text dreidimensional und man kann sich hineinzoomen. Okay. Und man kann unterschiedlichen Zielgruppen unterschiedliche Komponenten des gleichen Textes präsentieren.

Fazit

Unterm Strich war es eine außergewöhnlich dünne SMC-Veranstaltung. Die ersten beiden Vorträge waren etwas zu allgemein. Der letzte eher zu technisch. Und alle drei waren ein bisschen wirr. Zudem zuviele Headlines, die altbekanntes wie “das Publikum beinflußt die Story” und “man kann den Leuten nicht mehr alles erzählen” in schöne neue Worte fassten aber wenig neue Information lieferten. Die Diskussion um Sinn und Unsinn des gedruckten Buches – die kenne ich schon 20 Jahre – war eher überflüssig. Fragen die mich interessiert hätten, wie zum Beispiel, was eine erfolgreiche Transmedia-Kampagne ausmacht, blieben dagegen unbeantwortet.

Das ganze war ein Nice-to-Have. Aber nichts, was man nicht hätte versäumen dürfen.

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2 Responses to Transmedia Storytelling

  1. Hallo Philipp,

    vielen Dank für deine wirklich gute Zusammenfassung. Gern möchte ich diesen Kommentar als Gelegenheit nutzen, um auf eine Kleinigkeit hinzuweisen. Dorothea Martin nannte als Beispiel ihren Verlag “Das Wilde Dutzend” ( http://www.das-wilde-dutzend.de/ ), der von sich aus schon durch seine Inhalte, die Form der Darbietung (u.a. Pen & Paper Abende, in denen die Geschichte mit allen Anwesenden weiterentwickelt wird, Aufführungen, Erlebnisse, etc.) eine Geschichte transmedial weiterentwickelt. Das wird auch über deren Webseite und im Social Net weiter fortgeführt.

    Auf der von Dir in deiner Zusammenfassung verlinkten Seite “Transmedia Storytelling Berlin” ( kurz-URL: http://www.tmsb.de/ ) findet man unsere Berliner Transmedia Storytelling Gruppe, die sich ähnlich wie der Social Media Club einmal im Monat zu einem spannenden Vortrag trifft und sich im Anschluss daran austauscht. Zur Zeit entwickeln wir noch kein Transmedia Projekt mit der TMSB-Gruppe, wobei uns die Idee schon seit längerem auch im Kopf umherschwebt. Bei unseren Abend steht aber der Wissensaustausch und das Networking zur Zeit im Vordergrund.

    Du bist natürlich herzlich zu unseren monatlichen Treffen eingeladen. Vielleicht können wir dir dann auch mit deinen noch offenen Fragen weiterhelfen…

    Ich wünsche dir noch ein angenehmes Wochenende und vielleicht bis bald,
    Patrick Möller

    • Hallo Patrick,

      vielen Dank für die Ergänzungen und das Feedback. Jetzt wo Du es erwähnst, erinnere ich mich, dass sie über ihren Verlag gesprochen hatte. Aber vor Ort ist es mir wohl durchgeschlüpft. Leider hatten alle drei relativ wenig Redezeit, so dass sie ihre Beispiele nur kurz erwähnen konnten. Aber vielleicht kann man das, was sie konkret macht, auch online verfolgen.

      Eure Gruppe hatte mich schon im Vortrag neugierig gemacht. Und ich hatte bereits überlegt, ob ich einmal Kontakt aufnehmen sollte. Daher vielen Dank für die Einladung! Ich hätte tatsächlich mal Lust, bei einem transmedialen Projekt mitzumachen – auch wenn das Thema für mich – wie man vielleicht merkt – relativ neu ist.

      Dir ebenfalls ein schönes restliches Wochenende!
      Philipp

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