Bücher gegen Transmedia

Noch ein Nachtrag zum gestrigen Social Media Club:

Zwischen AMOS und einem Buchautoren war die Diskussion über Sinn und Unsinn des gedruckten Buches entbrannt. DIE Diskussion, nicht irgendeine, denn ich kenne genau die Diskussion seit mindestens 20 Jahren. In meinen Augen hat sich keiner der beiden durch seinen klaren Standpunkt geadelt, obwohl jeder auf seine Weise recht hat. Jeder hat die Vorteile und die Attraktivität des jeweiligen Mediums ganz richtig wiedergegeben. Und genauso die Nachteile des jeweils anderen.

Aber beide haben dabei übersehen, dass die beiden Medien in überhaupt keinem Konkurrenzverhältnis stehen. (AMOS hat bei seinem leidenschaftlichen Plädoyer gegen das gedruckte Buch sogar übersehen, dass er ja selbst in seinem Praxisbeispiel für ein gedrucktes Buch geworben hatte – mit dem vermeintlichen Konkurrenzmedium.) Die Wahrheit ist, dass beide Medien zwar das gleiche Grundbedürfnis – das nach Unterhaltung – befriedigen aber mit so deutlich anderen Mitteln, dass sie für ganz andere Charaktere in ganz unterschiedlichen Situationen attraktiv sind.

Interessanterweise hat auch Dungeons & Dragons weder das Buch noch das Fernsehen verdrängt. Obwohl es im Grunde die gleichen Vorzüge wie Transmedia-Storytelling hat – soziale Interaktion, Einfluss des Publikums auf die Geschichte – und in den Achtzigern eine Weile garnicht mal so viel weniger populär war. Aber das hatte nichts am Vorzug des Buches, das man einfach in der Tasche bei sich tragen und in der U-Bahn hervorholen kann, oder dem des Fernsehens, das man einfach anschalten kann, wenn man gelangweilt zuhause sitzt, geändert.

Medien verdrängen einander wenn überhaupt dann nur teilweise. Und es ist durchaus bezeichnend, dass Bücher gerade im Zeitalter von Sozialen Medien populär geworden sind wie noch nie. Und gerade der gestrige Abend hat eigentlich gezeigt, wie Bücher und Transmedia einander befruchten können. Insofern ist es eigentlich aus Sicht beider Parteien verwunderlich, dass sie es zum Anlass für eine – eigentlich längst beigelegte – Konkurrenzdiskussion nahmen.

This entry was posted in Kulturgüter, Social Media and tagged , . Bookmark the permalink.