Die Wurst zum Film

Die deutsche Schauspielzunft hat mal wieder das getan, was sie am besten kann: Besenstiele verschlucken. „Wir haben einen spätpubertären Eltern-Kind-Konflikt, und in unserem supergefährlichen Biowaffen-Labor sind alle Sicherheitssysteme ausgefallen. Sollen wir jetzt eine Problemkerze anzünden oder zwei?“

Die Verfilmung von Ken Follets „Eisfieber“ bot alles, was wir uns von unseren Fernsehgebühren anscheinend wünschen: Belanglose Familienproblemchen uneloquenter Großbürger in einfältig zähe Dialoge gegossen und vorgetragen von Schauspieler-Trampeln, die wirkten wie Erstklässler beim Krippenspiel. Diesmal mit Killervirus.

Dieses Machwerk war so hoffnungslos deutsch, dazu mußte man einfach Sauerkraut essen.

Das gute an Würstchen mit Sauerkraut ist, daß diese Kombination kulinarisch kaum zu übertreffen und dabei gleichzeitig so hausbacken ist, daß man sie ohne weiteres zu einem ZDF-Zweiteiler reichen kann. In gewissem Sinne erreicht man damit eine Harmonie der Gegensätze – schlechter Film, gutes Essen -, die dabei aber streng der Logik des Terroir – deutscher Film, deutsches Essen – folgt und somit selbst den größten Mist aus den Pressen deutscher Zelluloid-Entsorger irgendwie adelt.

Aber wir wollten eigentlich Currywurst speisen. Und so schuf die fiktive Gentechnik eine lukullische Chimäre:

  • Fleischwurst mit Curry-Kraut.
  • Dazu Wolters „Schwarzer Herzog“.

Man nehme eine Curry-Fleischwurst gehobener Qualität. (Irgendwas muß ja was taugen.) Diese brate man in reichlich Olivenöl knusprig und stelle sie anschließend im Backofen warm. Dann gebe man eine kleine, gewürfelte Zwiebel in das heiße Bratenfett und lasse sie glasig anschwitzen. Anschließend gebe man das Sauerkraut hinzu. Sobald dieses heiß ist, gebe man reichlich milden Curry und zwei bis drei in streifen geschnittene getrocknete und in Öl eingelegte Tomaten hinzu. Dies alles rühre man sorgfältig unter. Das Ganze richte man auf der Wurst an.

Curry sollte man wirklich reichlich am Start haben. Sauerkraut hat ein ungeheuer dominantes Aroma, und man muß wirklich viel Gewürz hinzugeben, damit man überhaupt etwas davon schmeckt. Dann allerdings erreicht man eine erstaunlich gelungene Kombination. Zusammen entwickelt beides eine exotische Süßnote, die die an sich penetrante vegetabilische Säure des Krauts entschärft und harmonisiert. Damit spielt der Curry hier eine ähnliche Rolle wie die Unmengen an Fett, die üblicherweise in Sauerkraut-Gerichten verklappt werden. Ohne Wurst und mit etwas moderateren Mengen an Öl wäre das vielleicht eine elegante Lösung für eine kleine Frühlings-Diät. Aber daran muß ich noch basteln. Fakt ist, daß der Klassiker Würstchen mit Sauerkraut – nichts entfaltet das deftige, fleischige Aroma einer guten Wurst besser als Sauerkraut – durch die currywurst-typischen Aromen nicht etwa zerstört sondern im Gegenteil bereichert wird. Während die Säure des Krauts ohne Curry manchmal zu hart gegenüber dem weichen, aromatischen Fleisch wirkt und dieses wiederum unangenehm tranig wirken läßt, bringt die exotische Würzigkeit des Currys das zarte Fleischaroma exzellent zur Geltung. Die elegante Wirkung des Currys auf die Fleischwurst zeigt sich erstaunlicherweise erst hier, wo man die Tomate einmal zum Nebendarsteller degradiert.

Die kräftigen, leicht bitteren und etwas nussigen Karamell- und Röstnoten des Schwarzen Herzogs sind eine wunderbare Abrundung für den orientalischen Süß-Sauer-Charakter des Gemüses und gleichzeitig ein guter Durstlöscher zur fettigen Wurst. Nach ein paar Flaschen davon tun die hilflosen Dialoge in der Flimmerkiste dann auch schon garnicht mehr so weh. Allerdings bleibt trotzdem der fade Nachgeschmack, daß der ältliche Traumschiff-Duktus selbst durch Killerviren – die spätestens seit Outbreak im Grunde auch kalter Kaffee sind – nicht moderner wird.

Ich will meine Fernsehgebühren zurück.

This entry was posted in Das jüngste Gericht, Tagebuch and tagged . Bookmark the permalink.